Ich wusste dass die Familie Hoffnung hatte eine groessere Wohnung zu finden. Ihre Reise hatte schon vor langem begonnen und zu fuenft in einem Zimmer wohnen, war noch lange nicht das Ende dieser Reise. Ein weiterer Umzug war unumgaenglich und wichtig fuer ihr Wohlergehen doch durch die barbarischen Weigerungen der meisten Eigentuemer und dem mangelnden Einsatz sehr vieler Makler, war eine Einzimmer Wohnung voerst das Beste. Ich erklaerte der Familie mehrmals die Situation. Ich wollte nicht ihre Hoffnungen zerstoeren doch es war mir ein Anliegen ihnen verstaendlich zu machen dass es schwer sein wuerde eine groessere Wohnung zu bekommen und es laenger dauern wuerde als erhofft. Diese Einzimmer Wohnung in der sie sich befanden war tatsaechlich schon ein Lotto 6er.
Es war der Tag vor Weihnachten und die Firma fuer welche ich arbeitete, hatte Betriebsurlaub. Somit war es mir moeglich mich mit Shamse um 10 Uhr zu treffen und zur Wohndrehscheibe zu gehen, ein Zweig der Volkshilfe - eine Organisation die es sich zur Aufgabe macht Fluechtlingen und einkommensschwachen Menschen ein Zuhause zu finden. Meine Hoffnungen waren gross und loesten sich kurz nach Eintritt schon in Luft auf denn die Organisation kaempfte mit genau denselben Problemen mit denen ich kaempfte. Es gab jedoch einen Unterschied. Privatpersonen wendeten sich an die Wohndrehscheibe und baten Wohnraeume oder Wohnungen an - ohne Provision oder Kaution. Leider sprach der Herr, mit dem wir den Termin hatten, kein Arabisch und waehrend wir uns ueber die Probleme am Immobilienmarkt unterhielten, verstand Shamse nicht wirklich viel. Der Herr bat Shamse an einer einstuendigen Informationsveranstaltung teilzunehmen, gefuehrte von einem der Mitarbeiter in Arabisch. Er wuerde ihr und anderen den oesterreichischen Immobilienmarkt naeher erklaeren und ihnen die Optionen vorstellen die fuer sie in Frage kaemen.
Waehrend Shamse die Informationsveranstaltung besuchte, verliess ich das Gebaeude und ging auf einen Kaffee. Shamse wuerde mich nach Ende der Veranstaltung anrufen und ich wuerde sie wieder abholen.
Es war gegen 12:30 als sie mich anrief. Ich holte sie ab und es war das erste Mal dass ich spuerte dass es ihr nicht gut ging. Shamse die Kaempferin, die Loewenmutter, eine von den seltenen Menschen die den Kopf nicht haengen lassen, schien zum ersten Mal seit wir uns kannten, zerschlagen. Als wir zur Ubahn ginge, bekam sie Kraempfe. Sie lief rot an und ich hielt inne. Ich hielt ihre Hand, sah sie an und bat sie langsam ein- und auszuatmen und sich Zeit zu lassen. Es brach mir das Herz das Gefuehl zu haben dass sie zum ersten Mal am Auseinanderfallen war.
Kurze Zeit spaeter, gingen wir weiter und wir gingen zu mir nachhause wo ich ihr einen Kaffee machte. Wir waren beide erschoepft. Die letzten einenhalb Monate waren gepraegt von Unsicherheiten, Stress und von einem Termin zum anderen Hetzen. Es blieb wenig Raum zum Durchatmen.
Zuhause hatte ich eine weitere Daunendecke gefunden die ich ihr mitgab bevor wir uns erneut auf den Weg zum Meldeamt machten. Shamse, die Hauptmieterin war, benoetigte vom Hauseigentuemer eine Unterschrift fuer ihren Meldezettel. Am Vortag hatte ich diese Unterschrift schon eingeholt. Doch leider fehlte eines der Dokumente von Shamse. Ich bat Shamse auf mich zu warten, schnappte mir mein Fahrrad und dueste so schnell wie moeglich zu den Rasoul's um das fehlende Dokument rechtzeitig einzuholen bevor das Meldeamt wieder schloss. Abdelaziz wartete unten schon auf mich und gab mir das Dokument. Ich dueste wieder zurueck zum Meldeamt, tatsaechlich noch rechtzeitig und konnte Shamse's Meldezettel noch beanspruchen. Shamse und Abdelaziz waren irrsinnig dankbar. Weihnachten stand vor der Tuer und das Meldeamt haette so schnell nicht wieder geoffnet. Da wir noch auf die Ladung von Abdelaziz und den Kindern warteten, war die Meldeadresse von Shamse sehr wichtig fuer einen schriftlichen Kontakt.
Shamse und ich verabschiedeten uns und ich ging nachhause. Am selben Tag noch, war ein Installateursbesuch bei den Rasoul's geplant den die Eigentuemer gerufen hatten, sodass dieser die Waschmaschiene anschliesst. Leider erhielt ich den Anruf dass die Waschmaschiene ausser Betrieb sei. Was fuer eine Sch....Jetzt hatten wir diese Waschmaschiene per Spende erhalten, abgeholt, die Eigentuemer den Installateur organisiert und sie ging nicht. Abgesehen davon ist es ein Unterschied ob man zum Laundromaten geht mit Waesche von einer Person oder von fuenf. Ich rief meine Mutter an und erzaehlte ihr den Wahnsinn. Sie wiederum war so guetig dass sie eine Waschmaschiene spendete. Da ich keine Waschmaschiene transportieren kann, bat ich Mo und Tony um Hilfe die ein Auto organisierten und sie abholten. Nach Ruecksprache mit der Eigentuemerin erklaerte sich diese auch bereit den Installateur erneut zu schicken. Das Waschmaschienen Problem hatte sich somit geloest.
Tony und ich hatten einen Kurzurlaub nach Deutschland geplant um die Familie zu besuchen. Ich teilte den Rasoul's mit dass wir zwar ab 26.Dezember nicht in Wien sein, sie mich jedoch jederzeit telefonisch erreichen koennten. Ich hatte noch ein paar To-Do's auf meiner Liste die ich gerne noch vor Abfahrt erledigt haette. Da die Kinder Schulferien hatten, dachte ich waere es schoen ihnen einen Fernseher und DVD player mit Filmen besorgen die sich die Familie auf Deutsch mit deutschen Untertiteln gemeinsam ansehen koennte. Dies wuerde ihnen nicht nur auf unterhaltsamer Art und Weise beim Deutsch lernen helfen sondern auch eine Unterhaltungsform bieten die die ganze Familie gemeinsam geniessen kann. Ein Bett fuer Helz fehlte noch. Ich hatte eines online gefunden und erwartete den Anruf eines Herren der in einem Altersheim arbeitete und die Betten verschenkte, um es abzuholen.
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