Monday, February 29, 2016

1 Monat - Der erste Mietvertrag - 13.Dezember

Die Rasoul´s und ich waren uns vor einem Monat zufällig auf einer Wiener Strasse begegnet. Zu dem Zeitpunkt hatten sie weder ein Zuhause noch Hoffnung. An diesem speziellen Tag, waren sie dabei einen wichtigen und grossen Schritt in ihrem Leben zu machen - der Start zu einem neuen Anfang. Dank der Hilfe von Roberta Rastl von der Diakonie, war es mir möglich die Rasoul´s eine Woche lang bei einer Pfarre unterzubringen. Dank der Hilfe von Eva und Stephan, einem wunderbaren Paar, die ein Zimmer in ihrem Zuhause den Rasoul´s zur Verfügung stellten, war es mir möglich sie einen Montat lang unterzubringen. Es war eine stressige und anstrengende Zeit. Der Immobilienmarkt war gegen uns und die Unsicherheit in der nahen Zukunft nagte an unseren Nerven.

Trotz aller Hürden, hatten wir an diesem Tag einen Termin mit den Eigentümern einer Einzimmer Wohnung in einem der Innenbezirke und die Rasoul´s waren dabei ihren ersten Mietvertrag zu unterzeichnen. Es war meine Freundin Agnes, welche als Maklerin bei Schober Real arbeitet, die sich für die Familie einsetzte. Die Firma verzichtete auf ihre übliche Provision, der Eigentümer verzichtete auf Kaution und akzeptierte Shamse´s Mindestsicherung als Einkommen wo andere auf eine Lohnbescheinigung pochten.  

Wir trafen uns um 11 Uhr vor dem Gebäude und gingen zuerst zum Eigentümer in die Wohnung für eine Besprechung. Nora, einer meiner Übersetzer, war telefonisch erreichbar. 

Shamse´s Dokumente wurden kopiert und als sie unterzeichnete, stand ich an ihrer Seite. Es war ein grosser Schritt. Sie erhielt alle Schlüssel und wir fingen alle an zu klatschen. Es war ein wunderschöner Glücksmoment für uns. 

Immobilienmakler und vorallem Eigentümer müssen aufwachen und sich der Situation in der wir uns alle befinden, stellen und diese akzeptieren. Roberta sagte mir eines Tages: Es ist keine Flüchtlingskrise mehr, es ist eine Völkerwanderung.

Die Flüchtlinge sind hier und werden hier eine lange Zeit bleiben und wir sollten uns erinnern dass jeder Erwachsene und jedes Kind ein Recht auf ein Zuhause hat. Der Meldezettel ermöglicht den Kindern einen Schulbesuch. Das Zuhause gibt ihnen wieder Sicherheit. All dies ist Teil von Integration und Bildung. Beides bildet die Basis für eine bessere und sichere Zukunft für Flüchtlinge und für uns. 

Von links nach rechts: Agnes, ich und Shamse

    Shamse unterzeichnet ihren ersten Mietvertrag!

 
Agnes, Shamse und Abdelaziz 

2 Months 8 days - Coffee with Abdelaziz - January 22nd 2016

I had spoke to Mo, my translator friend in Jordan, on the phone about Abdelaziz, the father. I had explained to him that I had the impression that he wanted to start working, which is great but not possible yet, and that in the meantime he should learn German. As Mo was part of our team from the very beginning on, Syrian himself and a man, I asked him for a skype meeting. I would bring Abdelaziz along, invite him for coffee, and we could talk. 

I picked up Abdelaziz after work and we went to a coffee shop nearby. Mo was running a little late due to his work schedule and there we were, sitting across from each other, quietly. We spoke through our eyes. I really wished it would be possible to talk to the entire family without Google translate, heavy hand gestures or the help of a translator but for now, that remained a wish yet to be fulfilled. 

Mo called and I picked up the phone. I asked him to please tell Abdelaziz that it was important for him to learn the language and that it was important to me. His family needed him and so did I. I could see in Abdelaziz´s eyes sadness. He used to be the head of the family and now Shamse who had arrived in Vienna a year prior and who had her asylum granted was forced to replace him. It was a lot for her too. She used to run the household, cook and take care of the children and now she was learning a new language in order to find a job as soon as possible. It was a difficult situation for all of them. However I needed him to gain back his confidence. He was indeed very much needed. 

Mo and Abdelaziz spoke over the phone for a while. I didn´t understand a word. Every now and then Abdelaziz would look at me and smile. After almost half hour, we were done. Mo spoke to me again and said that Abdelaziz was not able to read or write. I looked at Abdelaziz and said to Mo that I would help him learn the alphabet myself. And once he felt confident, he could attend the course Helz and Shamse attended. Abdelaziz agreed. He seemed content. 

I dropped him off at his apartment and on my way home I started to understand just HOW difficult this entire situation must be for him. In their hometown, the Rasoul´s lived a decent, comfortable life. Abdelaziz was an independent man who was able to provide for his family. He lost his status and with it also his confidence. Their family structure was upside down and I couldn´t stop thinking of what I could do to help. 

That very same night I spoke to Tony´s father who is a German teacher and who forwarded me a link that contains sheets that one can print out. The website is called DAF-DAZ
and you will find the link under Pages too. I printed out 50 sheets of the Alphabet and decided to help him as good as I can.

 

Sunday, February 28, 2016

Tag 27 - Warum einfach wenn es auch kompliziert geht und der Beginn von etwas Neuem - 11.Dezember

Wie schon erwähnt, hatte mich Shamse darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihre E-Card auf einmal nicht mehr funktionierte. Ich rief die MA40 an, welche für die Mindestsicherung und ebenso für die dazugehörige Versicherung zuständig ist. Mir wurde gesagt dass ich tatsächlich persönlich vorbeikommen müsste. Ich konnte nicht nachvollziehen was daran so schwierig war zuerst einfach mal die Versicherungsnummer im System zu überprüfen um sich ein Bild von dem Problem machen zu können bevor man mich bittet in Person zu erscheinen. 

Somit holte ich Shamse in der Früh ab und wir waren einer der Ersten dir vor den verschlossenen Türen der MA40 um 07:50 Uhr warteten. Um Punkt 8 öffneten sich die Türen, wir stellten uns an, bekamen eine Nummer und wurden alsbald aufgerufen. Wir nahmen Platz und ich erklärte dass es ein Problem mit ihrer E-Card gab. Shamse hatte einen positiven Asylbescheid, erhielt ihre Mindestsicherung und dennoch wurde ihre E-Card abgelehnt. Die Mitarbeiterin der MA40 bat mich um die E-Card, tippte etwas in den Computer und retournierte mir die E-Card binnen einer Minute. 

"Jetzt passt alles." sagte sie mir. Ich sah sie ganz baff an und fragte was denn nun das Problem gewesen sei. Sie meinte dass Flüchtlinge die um Asyl ansuchen und Grundversorgung bekommen, versichert werden. Wenn sich ihr Status jedoch ändert und sie einen positiven Bescheid bekommen, muss die Versicherung erneut aktiviert werden da dass nicht automatisch geht. 

Wir gingen hinaus. Shamse war sehr erleichtert dass alles in Ordnung war. Ich war frustriert da dies ein unnötiger Termin war denn das Problem hätte man genauso binnen einer Minute telefonisch oder per Email regeln können. Ich fragte mich was andere Flüchtlinge in der Situation machen würden, vorallem diejenigen die weder Deutsch noch Englisch sprechen. Bei der MA40 gab es keinen einzigen Übersetzer. Der Gedanke dass ein anerkannter Flüchtling unversichert herum lief und keine Chance hatte um Hilfe oder Information zu bitten, stimmte mich traurig. 

Diese Systemlücke ist ein grosses Problem dass sehr einfach gelöst werden könnte. Statt wurde Shamse ein Arztbesuch verweigert, uns allen zwei Stunden unserer Zeit gestohlen für einen 2-minütigen Termin.

Nora, welche seit Mo nicht mehr in Wien war, für mich übersetzte, war sehr beschäftigt. Somit holte ich noch einen dritten Übersetzer ins Boot. Suzi ist die Schwester von der Verlobten meines Bruders. Sie lebt in Köln und erklärte sich bereit hin und wieder mit mir und Shamse Telefonkonferenzen zu führen und für uns zu übersetzen. 

Ich lud Shamse nach unserem 2-Minuten Termin auf einen Kaffee ein und rief Suzi an um erneut über die Wohnung zu sprechen die sich letztens besichtigt hatten. Shamse und Abdelaziz hatten sich entschieden einzuziehen. Das waren fantastische Neuigkeiten auch wenn die Wohnung zu klein und nicht ideal war. Hauptsache sie hatten ein gutes, sicheres Dach über dem Kopf und mussten nicht in eines dieser schrecklichen Camps. Ich informierte Agnes, die Immobilienmaklerin, sofort darüber und besproch mit Shamse die Dokumente die sie zur Mietvertragsunterzeichnung mitnehmen musste. 

Wir sprachen auch über einen Deutschkurs den ich für Helz gefunden hatte. Ich hatte eine 8-seitige Liste online gefunden mit allen Deutschkursen für Flüchtlinge und musste jede Institution einzeln anrufen da keine Preisinformation auf der Liste stand. Sehr wenige dieser Deutschkurse waren kostenfrei.  

Ich fand auch eine Förderung für Deutschkurse in der Höhe von maximal 750 Euro vom Integrationsfond. Ich rief dort an und hatte ein längeres Gespräch mit einem der Mitarbeiter über Helz die nicht mehr schulpflichtig ist und einen zertifizierten Kurs benötigt um eine Zukunft aufbauen zu können, allerdings immer noch auf ihren Asylbescheid wartet. Der Herr meinte das wäre kein Problem und ich sollte am Besten im Januar nochmal anrufen und ab 20.01.16 gemeinsam mit Helz und mit dem Kostenvoranschlag des Kursintitutes unserer Wahl vorbeikommen und ansuchen. 

In der Zwischenzeit hatte ich einen Kurs gefunden, der zwar gratis war allerdings leider ohne Zertifikate, im Amerlinghaus. Ich hatte die Kurszeiten ausgedruckt, Adresse, Telefonnummer sowie auch den Google Maps Standort und eine Wegbeschreibung per öffentliche Verkehrsmittel und schlug Shamse vor gemeinsam mit Helz dort hin zu gehen. Der Kurs find schon am selben Tag an und ich würde Shamse und Helz bei der von mir angegeben Strassenbahnstation abholen und hinführen.

Den Vater hatte ich nicht vergessen. Ich dachte mir es wäre besser wenn er einen anderen Kurs besucht oder zumindest in einer anderen Klasse wäre als seine Frau und seine Tochter. 

Suzi übersetze alles für mich und Shamse und ich verliessen das Kaffeehaus und gingen zur Ubahn. Ich fuhr in die Arbeit und sie zurück nach Hause. 

Am Nachmittag wartete ich wie besprochen bei der Strassenban Haltestelle auf Shamse und Helz um die zwei in den Kurs zu begleiten. Es war das erste Mal dass Shamse sich verspätet war. Ich rief nach ein paar Minuten an um sicher zu gehen dass alles in Ordnung war. Helz hob ab und sagte mir dass sie nicht wussten wo sie sein. Ich versuchte herauszufinden wo sie sind doch dass scheiterte an unseren Kommunikationsproblemen durch die Sprachbarriere. Meine grösste Befürchtung seit Tag 1 war es dass sie verloren gehen. Ich sagte Helz sie solle den Hörer an jemanden neben ihr weitergeben der Deutsch spricht und sprach mit einer Dame die mir sagte dass sie gemeinsam mit den beiden in der Strassenbahn war. Ich erklärte die Situation und bat die Dame mir zu sagen in welcher Strassenbahn sich die beiden befanden und bei welcher Station sie waren. Es stellte sich heraus dass sie in der richtigen Strassenbahn waren, eine Station von mir entfernt. Ich bat die Dame die zwei bei der nächsten Station zu bitten die Bahn zu verlassen. Die Dame sagte mir aufgeregt dass sie die zwei aus der Strassenbahn "rausschmeissen" würdeürde ürdeürde . Ich lachte und bat sie die zwei nicht "rauszuschmeissen". Eine Handbewegung in Richtung Tür sollte reichen woraufhin sie auch lachte. Wir verabschiedeten uns und ich dankte ihr nochmals für ihre Hilfe. 

Eine Minute später, fuhr auch schon die Strassenbahn in die Station und Shamse und Helz stiegen aus. Die zwei hatten die Zettel mit den Informationen die ich Shamse in der Frühäter äterüh gegeben hatte  gegeben hatte, zuhause vergessen. :) 

Wir gingen im Schnellschritt zum Kurs und ich setzte sie ab. Während die zwei im Kurs waren, ging ich meinen Erledigungen nach und holte sie bei Kursende wieder ab. Wir tranken noch einen kleinen Kaffee gemeinsam und machten uns einen Termin für die Mietvertragsunterzeichnung am 13.Dezember aus. 



Helz und ich am Weihnachtsmarkt nach dem Kurs