Mohammad, "Mo", mein Übersetzer Freund der in Wien war um seine Ferien zu verbringen, leihte sich das Fahrzeug von seinem Bruder aus um die Rasoul´s und mich zu Terminen zu begleiten. An diesem Morgen holte er mich zuerst ab und dann Shamse und Abdelaziz von der Pfarre in Schönbrunn. Es war noch dunkel als wir bei der Pfarre ankamen, Shamse und Abdelaziz allerdings pünktlich und bereit für den ersten gemeinsamen Termin.
Wir fuhren in den 16ten Bezirk zu einer Caritas Zweigstelle die dem Anschein nach bei der Wohnungen vermittelt. Flüchtlinge liessen sich registrieren und wurden informiert sobald eine passende Wohnung (je nach Anzahl der Personen die dort wohnen würden) gefunden wurde.
Als wir dort ankamen, wurde uns jedoch mitgeteilt dass die Regelungen sich geändert hätten. Eine Familie konnte sich erst dann registrieren lassen, wenn alle Mitglieder einen positiven Asylbescheid hatten. Da in unserem Fall nur Shamse einen positiven Bescheid hatte, könnten sich die Familie nicht registrieren lassen. Aufgrund der präkeren Situation in der sich die Rasoul´s befanden, baten wir um die Möglichkeit Shamse für eine Einzimmer Wohnung registrieren zu lassen sodass die Familie bis zum endgültigen Asylbescheid zumindest ein Dach über dem Kopf hat. Dies wurde leider abgewiesen. Wir verbrachten noch etwas Zeit vor Ort und sprachen sogar mit der zuständigen Person, erklärten die Situation, doch auch hier öffneten sich leider keine Türen für uns.
Wir verliessen die Caritas und Mo, liebenswert wie er ist, fuhr mich zuerst zur Arbeit und brachte die Rasoul Eltern dann zurück in die Pfarre. Auf Grund meiner Arbeitszeiten und den Öffnungszeiten der diversen Behörden, plante ich alle Amtsgänge so ein dass wir als einer der Ersten, oft sogar etwas vor der Öffnungszeiten, vor Ort waren. Somit war es mir möglich die Rasoul´s zu begleiten und dennoch pünktlich in der Arbeit zu erscheinen. Jegliche To-Do´s mussten um spätestens 09 Uhr erledigt sein.
Mo, die Rasoul´s und ich machten uns für den Nachmittag ein weiteres Treffen um 14h30 bei der Caritas im 9ten Bezirk aus. Ich hatte schon mehrmals versucht dort anzurufen da ich etliche Fragen hatte und es prinzipiell bevorzugte einen Termin zu haben als unangekündigt wo zu erscheinen. Doch meine Anrufe blieben erfolgslos. Damals konnte ich nicht verstehen warum ich niemanden erreichte. Das Telefon klingelte doch es hob keiner ab.
In der Arbeit, nutzte ich jede freie Minute um weiter nach Wohnungen zu suchen, Emails zu schreiben, Informationen zu sammeln, über das Asylwesen zu lernen usw... Ich fand etliche Wohnungen die presilich perfekt gewesen wären für die Rasoul´s, doch jedesmal wenn es darum ging wer die Wohnung mieten würde und ich die Wahrheit sagte, hiess es nur "Nein", "keine Flüchtlinge", "keine Syrer". Ich sprach sanft zu den Immobilienmaklern, versuchte sie zu überzeugen das Richtige zu tun, denn es waren Tausende Flüchtlinge auf den Strassen und in den Lagern, die sich alle in derselben Situation wie die Rasoul´s befanden. Die meisten waren in der Warteposition und warteten auf den Asylbescheid. Durch die enormen Massen an Flüchtlingen und denen die noch am Weg waren, war es extrem schwierig für die Regierungen sowie auch für die NGO´s mitzuhalten. Und genau das war der Grund dafür warum niemand bei der Caritas im 9ten Bezirk ans Telefon gehen konnte.
Ich bat jeden Immobilienmakler den ich kontaktierte zumindest einen Versuch zu starten etwas an dem Wohnungsmarktsystem zu ändern. Doch alle erwiderten mir nur dass die Eigentümer das Problem waren. Diese wollten partout nicht an Flüchtlinge vermieten. Selbst diese Aussage war für mich inakzeptabel. Wie konnte es sein dass ein Mensch mir tatsächlich entgegnet, dass er NICHTS tun kann?
Ich verliess meine Arbeit am Nachmittag und war pünktlich vor der Caritas. Wir gingen in den Warteraum und ich näherte mich der Nummernausgabemaschiene die keine Nummern ausgab. Nie. Wir warteten bis ein Mitarbeiter der Caritas aus einem der Büro´s hinaus trat und fragten ihn um Rat. Uns wurde gesagt dass man einen Termin benötigt um mit jemaden zu sprechen. Um diesen Termin zu erhalten, brauchte man eine Nummer. Und um eine Numemr zu erhalten, musste man sehr sehr früh schon anstehen. Da Mittwoch kein Parteienverkehr stattfand, war Donnerstag unsere einzige Möglichkeit. Mir schauderte bei dem Gedanken dass Donnerstag die letzte Nacht der Rasoul´s in der Pfarre war.
Shamse, Abdelaziz, Mo und ich machten uns ein Treffen aus für Donnerstag am selben Ort um 07h. Ich entschied mich die Rasoul´s und Mo am nächsten Tag zum Abendessen zu uns nachhause einzuladen. Die Absagen und die Unsicherheit nagten an uns allen und raubten uns Kraft.
Zuhause angekommen, war ich alles andere als entspannt. Donnerstag war der Tag bevor die Rasoul´s ausziehen mussten. Ich bezweifelte dass wir am Donnerstag noch eine Wohnung von der Caritas vorgeschlagen bekommen würden. Ich versuchte so gut wie möglich meine Hoffnung nicht zu verlieren und dennoch lag ich im Bett und meine Gedanken kreisten nur um eines: noch zwei Tage.
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