Freitag war ich hauptsächlich am Telefon. Ich hatte online eine Liste gefunden mit Deutschkurs Angeboten für Flüchtlinge in Wien - acht Seiten lang. Nur sehr wenige Kurse aus der Liste hatten Informationen zu den Preisen, alos rief ich einen Kurs nach dem anderen an. Eine komplette Liste findet ihr unter "Pages". Ich wollte einen passenden Kurs für Helz und Shamse finden den sie gemeinsam besuchen könnten, sodass beide etwas Mutter-Tochter Zeit geniessen. Da es Freitag in Wien war, erreichte ich kaum jemanden. Manche Kursinstitutionen die ich telefonisch erreichte, baten mich Montag wieder anzurufen.
Ich rief auch das BFA an um erneut ein Update über den Status von Abdelaziz, dem Vater, und der drei Kinder zu erhalten. Dieser Anruf war jede Woche auf meiner To-Do Liste. Doch völlig gleich wann ich anrief und mit wem ich auch sprach, die Mitarbeiter beim BFA waren überlastet und ich wurde immer um Geduld gebeten. Das Bundesministerium benötigte dringend mehr Mitarbeiter.
Samstag traf ich die Rasoul's um 09 Uhr und führte sie zum Caritas Carla Lager. Flüchtlinge, aber auch Österreicher die von der Mindestsicherung leben, bekommen dort bis zu vier Mal im Jahr gratis Kleidung unter dem Vorweis eines Identitätsnachweises und eines Meldezettels. Leider fanden die Rasoul's im Lager nichts Brauchbares und wir fuhren zur Mariahilferstrasse. Auf unserem Weg vermittelten mir die Rasoul's dass sie eigentlich nur ein paar Schuhe für den ältesten Sohn, Mohamad, benötigten. Ich ging mit ihnen zu einem Sportfachgeschäft im Gerngross welcher Schuhe zu günstigen Preisen verkaufte.
Mohamad fand ein paar Skaterschuhe. Ich versuchte ihm zu erklären dass er Turnschuhe für die Schule braucht. Montag war sein erster Schultag. Wir unterhielten uns mit Hand und Fuss da ich keinen meiner Übersetzer erreichen konnte. Mohamad versuchte mir zu sagen dass er die neuen Schuhe in der Schule verwenden würde und ich konterte indem ich ihm den Unterschied zwischen Turnschuhsolen und den Skaterschuhsolen zeigte. Ich fuchtelte auch mit den Armen herum um zu zeigen dass er beim Turnen ausrutschen würde wenn er die passenden Schuhe nicht trug. Der Rest der Familie sah uns bei unserer Kommunikation zu. Es fühlte sich an wie ein Theaterstück.
Mohamad zeigte mir die Schuhe die er gerade trug. Ich sah hinunter und ja, es waren Turnschuhe. Ich sah ihn an und machte ihm klar dass er diese Schuhe jedoch innen und aussen putzen müsste. Mohamad nickte mir zu und es ich war glücklich dass wir uns auch ohne Worte verstanden. Shamse kaufte die Sneakerschuhe und wir verliessen den Laden.
Obwohl ich den Rasoul's gerne noch andere Läden gezeigt hätte die preiswerte Ware anboten, wollten die Rasoul's nachhause. Es war sehr kalt und sie schienen alle sehr müde. Bei Eva und Stephan zuhause wohnen zu dürfen, hatte eine enorme Last von ihren Schultern abgenommen. Langsam aber sicher hatten sie jetzt Zeit die Ereignisse der letzten Jahre die von Unsicherheit und Ängsten geprägt waren, zu verdauen. Ein lange Reise schien endlich ein Ende zu nehmen. Und das war erst der Anfang.
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