Monday, May 2, 2016

1 Monat 6 Tage - Die bittere Wahrheit - 23.Dezember 2015

Ich wusste dass die Familie Hoffnung hatte eine groessere Wohnung zu finden. Ihre Reise hatte schon vor langem begonnen und zu fuenft in einem Zimmer wohnen, war noch lange nicht das Ende dieser Reise. Ein weiterer Umzug war unumgaenglich und wichtig fuer ihr Wohlergehen doch durch die barbarischen Weigerungen der meisten Eigentuemer und dem mangelnden Einsatz sehr vieler Makler, war eine Einzimmer Wohnung voerst das Beste. Ich erklaerte der Familie mehrmals die Situation. Ich wollte nicht ihre Hoffnungen zerstoeren doch es war mir ein Anliegen ihnen verstaendlich zu machen dass es schwer sein wuerde eine groessere Wohnung zu bekommen und es laenger dauern wuerde als erhofft. Diese Einzimmer Wohnung in der sie sich befanden war tatsaechlich schon ein Lotto 6er. 

Es war der Tag vor Weihnachten und die Firma fuer welche ich arbeitete, hatte Betriebsurlaub. Somit war es mir moeglich mich mit Shamse um 10 Uhr zu treffen und zur Wohndrehscheibe zu gehen, ein Zweig der Volkshilfe - eine Organisation die es sich zur Aufgabe macht Fluechtlingen und einkommensschwachen Menschen ein Zuhause zu finden. Meine Hoffnungen waren gross und loesten sich kurz nach Eintritt schon in Luft auf denn die Organisation kaempfte mit genau denselben Problemen mit denen ich kaempfte. Es gab jedoch einen Unterschied. Privatpersonen wendeten sich an die Wohndrehscheibe und baten Wohnraeume oder Wohnungen an - ohne Provision oder Kaution. Leider sprach der Herr, mit dem wir den Termin hatten, kein Arabisch und waehrend wir uns ueber die Probleme am Immobilienmarkt unterhielten, verstand Shamse nicht wirklich viel. Der Herr bat Shamse an einer einstuendigen Informationsveranstaltung teilzunehmen, gefuehrte von einem der Mitarbeiter in Arabisch. Er wuerde ihr und anderen den oesterreichischen Immobilienmarkt naeher erklaeren und ihnen die Optionen vorstellen die fuer sie in Frage kaemen. 

Waehrend Shamse die Informationsveranstaltung besuchte, verliess ich das Gebaeude und ging auf einen Kaffee. Shamse wuerde mich nach Ende der Veranstaltung anrufen und ich wuerde sie wieder abholen. 

Es war gegen 12:30 als sie mich anrief. Ich holte sie ab und es war das erste Mal dass ich spuerte dass es ihr nicht gut ging. Shamse die Kaempferin, die Loewenmutter, eine von den seltenen Menschen die den Kopf nicht haengen lassen, schien zum ersten Mal seit wir uns kannten, zerschlagen. Als wir zur Ubahn ginge, bekam sie Kraempfe. Sie lief rot an und ich hielt inne. Ich hielt ihre Hand, sah sie an und bat sie langsam ein- und auszuatmen und sich Zeit zu lassen. Es brach mir das Herz das Gefuehl zu haben dass sie zum ersten Mal am Auseinanderfallen war.

Kurze Zeit spaeter, gingen wir weiter und wir gingen zu mir nachhause wo ich ihr einen Kaffee machte. Wir waren beide erschoepft. Die letzten einenhalb Monate waren gepraegt von Unsicherheiten, Stress und von einem Termin zum anderen Hetzen. Es blieb wenig Raum zum Durchatmen. 

Zuhause hatte ich eine weitere Daunendecke gefunden die ich ihr mitgab bevor wir uns erneut auf den Weg zum Meldeamt machten. Shamse, die Hauptmieterin war, benoetigte vom Hauseigentuemer eine Unterschrift fuer ihren Meldezettel. Am Vortag hatte ich diese Unterschrift schon eingeholt. Doch leider fehlte eines der Dokumente von Shamse. Ich bat Shamse auf mich zu warten, schnappte mir mein Fahrrad und dueste so schnell wie moeglich zu den Rasoul's um das fehlende Dokument rechtzeitig einzuholen bevor das Meldeamt wieder schloss. Abdelaziz wartete unten schon auf mich und gab mir das Dokument. Ich dueste wieder zurueck zum Meldeamt, tatsaechlich noch rechtzeitig und konnte Shamse's Meldezettel noch beanspruchen. Shamse und Abdelaziz waren irrsinnig dankbar. Weihnachten stand vor der Tuer und das Meldeamt haette so schnell nicht wieder geoffnet. Da wir noch auf die Ladung von Abdelaziz und den Kindern warteten, war die Meldeadresse von Shamse sehr wichtig fuer einen schriftlichen Kontakt.    

Shamse und ich verabschiedeten uns und ich ging nachhause. Am selben Tag noch, war ein Installateursbesuch bei den Rasoul's geplant den die Eigentuemer gerufen hatten, sodass dieser die Waschmaschiene anschliesst. Leider erhielt ich den Anruf dass die Waschmaschiene ausser Betrieb sei. Was fuer eine Sch....Jetzt hatten wir diese Waschmaschiene per Spende erhalten, abgeholt, die Eigentuemer den Installateur organisiert und sie ging nicht. Abgesehen davon ist es ein Unterschied ob man zum Laundromaten geht mit Waesche von einer Person oder von fuenf. Ich rief meine Mutter an und erzaehlte ihr den Wahnsinn. Sie wiederum war so guetig dass sie eine Waschmaschiene spendete. Da ich keine Waschmaschiene  transportieren kann, bat ich Mo und Tony um Hilfe die ein Auto organisierten und sie abholten. Nach Ruecksprache mit der Eigentuemerin erklaerte sich diese auch bereit den Installateur erneut zu schicken. Das Waschmaschienen Problem hatte sich somit geloest. 

Tony und ich hatten einen Kurzurlaub nach Deutschland geplant um die Familie zu besuchen. Ich teilte den Rasoul's mit dass wir zwar ab 26.Dezember nicht in Wien sein, sie mich jedoch jederzeit telefonisch erreichen koennten. Ich hatte noch ein paar To-Do's auf meiner Liste die ich gerne noch vor Abfahrt erledigt haette. Da die Kinder Schulferien hatten, dachte ich waere es schoen ihnen einen Fernseher und DVD player mit Filmen besorgen die sich die Familie auf Deutsch mit deutschen Untertiteln gemeinsam ansehen koennte. Dies wuerde ihnen nicht nur auf unterhaltsamer Art und Weise beim Deutsch lernen helfen sondern auch eine Unterhaltungsform bieten die die ganze Familie gemeinsam geniessen kann. Ein Bett fuer Helz fehlte noch. Ich hatte eines online gefunden und erwartete den Anruf eines Herren der in einem Altersheim arbeitete und die Betten verschenkte, um es abzuholen.  











Friday, April 8, 2016

1 Month 18 days - The cellphone - February 1st 2016

The Rasoul´s were doing great. We were all very happy and thankful for the apartment. Yes it was small and definitely too small for 5 people but sleeping in one of the shelters was definitely worse. 

Now that the family had a TV, a DVD player and DVD´s - all they needed was an HDMI cable. I decided to go to a shop nearby and purchase one. I rode my bike to the Rasoul´s - excited about the cable. I plugged it into the TV and chose "Finding Nemo" to test picture and sound. Unfortunately the remote didn´t work for some reason. We guessed that perhaps the batteries needed to be replaced. The children went downstairs and came back with the right batteries. We tried it once more. 

There were a few moments of silence. We were all staring at this huge TV and waiting for a picture. Waiting for sound. No one said a word. I was keeping my fingers crossed. The TV was, after all, like most of the furniture, a donation. What if it did not work?

Suddenly the picture came up and a few moments later we could hear the sound. It was joyful moment. We looked at each other with big, happy smiles. The parents were just as excited as the children. And so was I.

Unfortunately I was unable to stay for dinner. Work was expecting me at home. I packed my bag, said goodbye and rode back home. 

I was sitting at the dining table, focused on my phone when I heard Tony asking me: "Whose phone is that?" I looked up and saw a black smart phone on the table. Without giving it any further thoughts I replied "Not mine. It is probably your work phone." I kept staring at my phone when I heard Tony say: "This is not my work phone." I looked at Tony and put my phone away. I clicked the home button of the black smartphone carefully. The screen turned on and a picture of the Kurdish flag appeared. 

Shit. This phone belonged to the family Rasoul. I must have been so overly excited about "Finding Nemo" at the Rasoul´s that I didn´t realize taking not only my phone but one of theirs. I felt awful. I called Shamse and apologized. She on the other hand laughed and said it was no problem. I promised to return the phone in the early morning before going to work. 

That night, we made a lot of fun about this incident and we still do to this day. I have been double and triple checking the amount of smartphones in my bag ever since. ;)



Wednesday, March 30, 2016

1 Monat 5 Tage - Oh das Internet - 18.Dezember

Wir waren alle ziemlich müde von den letzten zwei Tagen die von Veränderungen, Besorgungen, Schleppen und viel harter Arbeit geprägt waren. Doch wir waren überglücklich dass die Rasoul´s nicht nur in ihre erste Wohnung eingezogen waren, sondern dass wir es auch geschafft hatten sie mit den aller wichtigsten Einrichtungsgegenständen auszustatten. Das einzig notwendige was jetzt fehlte, war Internet - ein wichtiges Hilfsmittel welches Flüchtlingen unter anderem hilft selbstständig zu werden. 

Ich hatte online verschiedene Angebote abgeklappert, hatte Freunde und Tony um Rat gefragt, bevor ich gemeinsam mit Shamse zum T-Mobile Shop ging. 

Alles schien wunderbar leicht voran zu gehen. Erstmals. Der Angestellte von T-Mobile war hilfreich und freundlich und ich erklärte ihm gleich vorab die Situation in der sich Shamse befand. Wir entschieden uns für den Anfang für die günstigste Variante. Ich bat Shamse um ihren Meldezettel. Sie hatte ihn leider nicht dabei und obwohl ich eine Kopie zuhause hatte, hatte ich diese auch nicht bei mir. 

Ich rief Tony an und bat ihn Shamse´s Meldezettel Kopie vorbei zu bringen. Ein paar Minuten später, war er auch schon da und es stand uns Nichts mehr im Weg. 

Während der Herr der uns bediente den Vertrag vorbereitete, nutzte ich Google Translate um Shamse ein Internet Schutz Paket wegen der Kinder ans Herz zu legen.Google translate liess mich allerdings in Stich. Ich versuchte es erneut mit einer vereinfachten Form - vergebungslos. Ich vereinfachte es immer wieder bis ich schlicht und einfach "Porno" übersetzen liess. Shamse lass von meinem Bildschirm. Ihr Mund blieb offen und sie sagte :"Nein,nein,nein". Wir lachten viel. Sie hatte das Wort zwar verstanden, allerdings war der Zusammenhang zwischen ihrem Vertrag und Porno noch nicht klar. Ich erreichte Mo, meinen guten Übersetzer Freund in Jordanien. Wie schon mehrmals erwähnt, ist Mo auch ursprünglich aus Syrien, allerdings in Wien aufgewachsen.  Als ich ihn bat das Internet Schutz Paket Shamse zu erklären, das es dazu dient die Kinder vor Porno Seiten und dergleichen zu schützen, war es ihm auch schon etwas unangenehm mit Shamse darüber zu sprechen weil er ihr einen Respekt entgegen bringt. Er versprach mir es ihr klar zu machen, allerdings in seinen eigenen Worten.  Ich gab mein Smartphone an Shamse weiter. Shamse sprach zu Mo auf Arabisch. Sie lachte etwas, lief kurz rot an, sah mich an und übergab mir den Hörer. Ich fragte Mo ob nun alles klar war und er antwortete dass Shamse alles einwandfrei verstanden hatte. Dass er das Wort "Porno" mit dem Ausdruck "schlechte Websiten" ersetzt hatte. Shamse hatte es verstanden. Es stand ihr im Gesicht geschrieben. :) 

Das Blatt wendete sich kurz darauf. Der Angestellte von T-Mobile hatte den Vetrag ausgedruckt und verlangte nun nach Shamses Arbeitsvertrag oder Lohnzettel. Ich dachte ich falle aus allen Wolken. Ich erklärte dem Herren was ich ganz am Anfang schon erklärt hatte, dass Shamse zwar einen positiven Asybescheid hat, allerdings noch keine Arbeit. 

Mittlerweile hatten wir satte 40 Minuten im Store verbracht, damit mir der Herr sagt dass unter diesen Umständen der Abschluss eines Vertrages bei T-Mobile nicht möglich ist. 

Ich holte tief Luft und bat ihn es zumindest zu versuchen. Shamse bekam schliesslich monatlich die Mindestsicherung ausbezahlt. Es war eine Art Einkommen. Nachdem ich auf ihn einredete, rief er dann doch das Headquarter an, doch die sagten nur "Nein." Ich verlangte sofort jemanden im Headquarter zu sprechen aber auch das ging nicht, denn es war gegen die Richtlinien. 

Ich war am explodieren. Jetzt hatten wir fast eine Stunde verschwendet und ich sollte auch noch mit leeren Händen gehen? Das war absolut keine Option. Es gibt immer einen Weg. Also redete ich weiter auf den Angestellten ein, bat ihn nachzudenken und mir irgendeine Option vorzuschlagen. Und dann, endlich, schlug er vor den Vertrag auf meinen Namen abzuschliessen und im nachhinein dann einfach die Kontodaten auf Shamses Konto zu ändern. Ich stimmte zu und hatte endlich die Internet Box in den Händen.

Ich hatte in der Zwischenzeit erneut eine Spende erhalten, diesmal von Klausi und Juthi, mit der ich all die Anfangsgebühren und zwei Monate Internet decken konnte. Ich versuchte Shamse via Google Translate zu erklären dass ich bis Februar die Kosten mit der Spende decken würde und ab Februar ihre Kontodaten angeben würde. 

Shamse war unglaublich glücklich und bedankte sich tausend Mal. Sie schien auch beschämt. Dieser Vertragsprozess war anstrengend, doch was sie glaub ich mehr beschämte, ist dass ich gerade einen Vertrag für sie, laufend auf meinem Namen, unterzeichnet hatte.

Ich bin mir sicher dass die Zeiten sich ändern werden und dass all diese Prozesse einfacher werden, da sich jede Firma an die Völkerwanderungen und ihrer Folgen anpassen muss. Ich hoffe nur dass es früher als später geschieht. Das Feedback, selbständige Denken und Engagement eines jeden Angestellten der Tag aus, Tag ein, mit Kunden -  Flüchtlinge oder nicht -  zu tun hat, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Wandel. Sie berichten und sie werden erhört.

 

Thursday, March 24, 2016

1 Month 17 days - The team gets bigger - January 31st 2016

Merged together in a studio apartment was not ideal but at this moment a necessity for the Rasoul´s. Their home started slowly but surely to get cozy.

I found a TV for them through Facebook. I am not fond of TV  but I figured that the they could watch movies together on DVD with the DVD player I got them before christmas and enjoy a classic movie night with the family every now and then. Also all the DVD´s that I had bought for them, would be watched in German and that too would help them with learning the new language. 

The TV that Monika was giving away for free, was very large and of great quality. Tony picked it up and installed it. 

And on this day three more people had offered to come to the Rasoul´s and drop of donations in kind. 

Philip and Stephanie, friends of us, dropped off a lamp, offered curtain rods and more.  

Charlotte, another friend, brought a microwave that was gifted by the Dietrichs. She also brought a lovely elegant coat that fit Shamse perfectly and a drying rack. 
 
Thuy Oanh, whom I met through Facebook, and her husband dropped off a sideboard that also had three drawers. The TV fit on it perfectly as well as the DVD player and there was still plenty of room in the drawers for DVD´s, books, clothes etc.

They all met the Rasoul´s, came upstairs, shook hands, introduced themselves, helped with setting up everything, and smiled. It was lovely to see how happy the Rasoul´s were and how overwhelmed they were by all these people that helped so far. Each of them was special and I will be forever grateful for having such amazing support. 

I had brought extension cables and started to mount the TV and the DVD player. I couldn´t wait to see their faces once the amazing TV would show "Nemo"´s face in excellent quality. I realized too late that I had forgotten about an HDMI cable and decided to get one the very next day. 

I was the only one disappointed. The Rasoul´s were so humble and thankful in general, they smiled at me and said that it really wasn´t a problem. 

I smiled back, nonetheless I looked forward to getting the HDMI cable. I really wanted them to have happy moments and offer them any help they needed.  

 

Monday, March 21, 2016

1 Monat 4 Tage - Der Umzug Teil II - 17.Dezember

Mein Dreamteam war motiviert unser Umzugsprojekt welches wir angefangen hatten, zu beenden. 

Den Umzug der Rasoul's zu organisieren und sie binnen 48 Stunden voll einzurichten, war nur dank der Hilfe von Tony, Mo und Agnes moeglich. 

An diesem Tag, brachte Agnes die Bohrmaschiene ihres Vaters. Ich traf sie bei meiner Schwester im 12.Bezirk, welche am Umziehen war und einen Esstisch und 2 Stuehle zur Verfuegung stellte. Meine Mutter spendete Geschirr. 

In der Zwischenzeit war holte Mo den Vater, Abdelaziz, ab und fuhr mit ihm zu meiner Freundin Sladana, welche eine Waschmaschiene, ein Sofa und drei Stuehle zur Verfuegung stellte. 

Agnes und ich fuhren zu den Rasoul's und legten alles ab. Waehrend sie alleine weiter fuhr um noch mehr Geschirr abzuholen, blieb ich bei den Rasoul's. Natuerlich kann ich nicht herumsitzen und Nichts tun, somit entschied ich mich dafuer zu versuchen dass Stockbett selber anzuschrauben. 

Wie schon im vorherigen Blog erwaehnt, hatten wir grosse Schwierigkeiten dass am Vorabend gehabt das Bett zu montieren. Jetzt hatte sich das Blatt gewendet denn ich war ausgestattet mit einer Bohrmaschiene und einem Akkuschrauber. Meine Freunde wissen dass ich nicht wirklich sehr talentiert bin mit Werkzeug. Da ich jetzt zwei Powertools hatte, fuehlte ich mich maechtig. 

Ich betrat das Zimmer und Diar, der Juengste, schlief. Ich sah Shamse an und versuchte ihr zu kommunzieren dass ich nicht bohren wuerde, solange er schlief. Sie wiederum meinte es waere ueberhaupt kein Problem. Unser kleines Gespraech ging und her und ich liess mich ueberreden. Bevor ich allerdings anfing, leste ich mir online Informationen zu meinem Vorhaben durch und machte mich schlau. Schliesslich musste ich die Werkzeuge am selben Abend retournieren und der kommende Tag war arbeitstechnisch ausgelastet. 

Ich versuchte langsam zu bohren und schaute immer wieder zu Diar. Sanftes Bohren ist ein Ding der Unmoeglichkeit, also entschied ich mich einfach loszubohren. Diar liess ich nicht aus den Augen doch der schlief - tief und fest. Insgesamt bohrte ich 12 - 14 Loecher in das robuste Bett und Diar zwinkerte nicht einmal. Meine Finger und meine Arme begannen mir weh zu tun, doch ich wollte weder Shamse noch Helz bohren lassen. Da war ich nun und bohrte wie wild in diesem kleinen Zimmer mit dem erschoepftesten Jungen den ich je gesehen habe. 

Die Schrauben einzufuegen war etwas leichter. Diar so ruhend zu sehen, gab mir Kraft und als ich dann endlich fertig war, war ich gluecklich und stolz auf die geleistete Arbeit. Ich schickte Tony zur Sicherheit noch Fotos von meiner Arbeit an dem Bett und rief ihn an um sicher zu gehen dass auch alles passte. Leider war mein Job noch nicht getan. Es fehlten doch noch 4 Loecher und 4 Schrauben. Das Stockbett musste stabil sein. 

Waehrend ich am Telefon war, wachte Diar auf und gruesste mich mit einem Laecheln. Er und sein Bruder Mohamad wollten mir bei der Arbeit helfen. Wir hielten die Maschiene gemeinsam und die Jungs drueckten sie mit aller Kraft gegen das Bett. 

Als wir fertig waren, nahmen Shamse, Helz, Diar, Mohamad und ich den oberen Teil und legten ihn vorsichtig auf den unteren Teil des Stockbettes. Ich versuchte das Bett zu schuetteln und siehe da - es war stabil!

Gerade als wir fertig waren, kamen auch schon Abdelaziz und Mo durch die Tuere und brachten die Waschmaschien, das Sofa und die drei Stuehle. 

Agnes war auch schon am Weg zu den Rasoul's und nahm uns allen Pizza mit die wir alle gemeinsam wohlverdient vernaschten bevor wir uns wieder verabschiedeten.

Es war unglaublich. Binnen 48 Stunden hatten wir eine Waschmaschien, ein Sofa, 5 Stuehle, einen Esstisch, Geschirr, ein Bettsofa, ein Stockbett, einen Staubsauger, einen Wasserkocher, Bettwaesche und eine extra Decke organisiert. Ein Bett fehlte noch, dafuer hatten wir alle Matratzen die die Rasoul's benoetigten. 

Die Rasoul's waren so dankbar. Sie waren sprachlos. Abdelaziz sah mich an, schuettelte den Kopf immer wieder und sah in den Himmel hinauf. Eine sehr liebe Gestik die er bis heute noch immer wieder macht. 

Als ich zuhause ankam, landete ich Sturzflug im Bett. Eine froehliche Muedigkeit wiegte mich sofort in den Schlaf. 

 

2 Months 12 days - The rise of racism - January 26st 2016

By now word had spread about my taking care of the Rasoul´s. I started receiving more and more lovely messages by friends and their friends. They offered furniture and asked what else is needed. They would send me their Love and positive vibes. Their kind messages gave me strength and hope. One message however, by someone I didn´t know, made me think. 

Michael S., an Austrian, reached out through someone we know in common, asking me only why the family had come to Austria and how. I was taken aback for a second and asked him if he was offering his help. He replied that he had no way of helping them and that he was just curious to know why "exactly people are fleeing from Syria and coming mainly to Austria and Germany". 

By now, there was plenty of media coverage about the situation in Syria and its consequences. Anyone living in Germany or Austria was informed at all times and it was number one topic. Therefore his question didn´t sound like a question but rather like a passive aggressive provocation. 

I couldn´t really point my finger at what exactly the issue was but even in my circle of friends or "Facebook" friends, I noticed more and more a form of indirect racism. Most comments having the exact same structure:

1_stating at first that one is not racist. e.g.: "I am not a racist." or "I am not right winged." or "I find racism terrible." etc. followed immediately by 
2_ BUT
3_ voicing concerns such as freedom of speech, loss of culture, loss of traditions ect.

This kind of indirect racism is extremely dangerous. The poison is wrapped in a sentence which makes it even harder to spot when you´re just browsing through comments. However, every word we read, every sentence and its underlying meaning are stored in our heads and will eventually influence us.

After WWII, we learned to spot direct racism and to react immediately. We thought that we learned from the past. Yet today, direct and indirect racism are on the rise and while we all are capable of spotting one, most of us are blind to see the other. Beware of what you read, beware of what you hear. Indirect racism is still racism. Undermining it means making the same mistakes all over again.

As for me, after trying to discuss with several people that I called out on their subtle yet very strong comments, I hit a wall. The modern racist vehemently denies the underlying tone and intention of what he or she says and that alone showed me just how dangerous indirect racism is. 

People´s sentences are built in a way that they can justify everything. I call it the elastic indirect racism. You state your comment or your sentence, and while you want people to see what it is, you do not wish to be called out on it. However if someone does, you simply retrieve it. 

Racism is like virus. While we are still fighting it, a new form, a more dangerous one has formed. This form has adapted itself to rules and regulations, to laws and social media. It can reach you at any time of the day and when it does, you should recognize it as such show the door. 

Monday, March 14, 2016

1 Monat 3 Tage - Der Umzug - 16.Dezember

Mir ging der Mangel an kulturellen Angeboten für Flüchtlinge einfach nicht aus dem Kopf. Dank meiner Eltern und meiner Geburtsstadt, hatte das Privileg umringt von Kunst und Kultur aufzuwachsen. Dies formte mich als Mensch, mein Verständnis für die Welt und ihre Bewohner, ihrer Religionen und Philosophien. 
Die Rasoul´s hatten zwar nun endlich ein Zuhause, doch selbst wenn sich dies als schwierig erwiesen hatte, so war es doch schwieriger Wien zu ihrer neuen Heimat zu machen. Und genau aus diesem Grund ist ein Zugang zu Kultur und Kunst so entscheidend. Zuerst wird gelernt, dann wird geliebt. 

In Wien ist zum Beispiel ein Besuch der Wiener Staatsoper unabkömmlich und somit enstchied ich dem Presse Büro des Hauses eine Email zu schreiben. Ich erklärte meine Position als Guardian der Rasoul´s und vermerkte dass, meiner Meinung nach, Zugang zu Kunst und Kultur bei einer positiven Integration unterstützend wirken würden. Abschliessend fragte ich ob die Wiener Staatsoper die Rasoul´s einladen würde. 

Ich erhielt alsbald eine Email in welcher ich darüber informiert wurde dass mein Anliegen mit dem Direktor, Dominique Meyer, besprochen und ich danach erneut kontaktiert werden würde. Ich hielt beide Daumen fest gedrückt. 

Ich schickte auch eine Email an das Konzerthaus. Leider erhielt ich einen Monat lang keine Rückmeldung woraufhin ich mich erneut am 25. Jänner meldete. Auf diese Email wurde sofort geantwortet und mir wurde geschrieben dass mein Anliegen weiter geleitet werden würde. 

Mein Freund Mo war wieder in Wien zu Besuch und an diesem wunderbaren Tag, hatten wir beschlossen die Rasoul´s in die neue Wohnung zu bringen wo ich am Vorabend ein Bettsofa geliefert hatte. Jetzt brauchten sie nur noch Betten, Pölster, Bettwäsche, Tisch, Stühle, Geschirr...- alles BIS AUF ein Bettsofa. :) 

Ich verbrachte den Tag damit online nach gratis Möbeln zu suchen. Ich fand ein tolles Stockbett, welches platzsparend und ideal für die Burschen war. Allerdings kostete es 60 Euro. Es gab kaum gratis Stockbetten. Diejenigen die ich fand, kamen im Superpack mit 99 Problemen. Somit beschloss ich die 60 Euro für das Doppelbett zu zahlen. Mo und Tony erklärten sich bereit das Doppelbett abzuholen. Mo´s Brude stellte sein Fahrzeug zur Verfügung. Da ich der Arbeit war, war es mir nicht möglich Mo das Geld im vorhinein zu geben. Mo legte es gerne aus, nahm es danach jedoch von mir nicht an. 

Ich huschte nach der Arbeit zum Saturn und kaufte einen Staubsauger und einen Wasserkocher bevor ich Agnes traf, die auch ihre Hilfe an dem Tag angeboten hatte. 

Wir zwei fuhren mit dem Auto zu Eva und Stephans Wohnung und holten die Matratzen und ein paar persönliche Sachen der Rasoul´s ab. Wir würden uns alle bei den Rasoul´s wiederfinden. 

Die Zeit verging wie im Flug und Agnes fuhr recht schnell richtung Mariahilferstrasse sodass wir es 10 Minuten vor Ladenschluss zum Bettenreiter schafften um Bettwäsche, eine extra Decke, Leintücher und eine Battematte zu kaufen. Die 200 Euro der ersten Spende machten all diese Einkäufe möglich: der Einkauf bei Bettenreiter, die Transportkosten für das Bettsofa, der Staubsauger und der Wasserkocher. 200 Euro können sehr viel sein, wenn man weiss wo man es ausgibt und Helfer Freunde hat, wie ich sie habe. 

Tony, Mo, Agnes und ich trafen uns bei den Rasoul´s. Mo musste noch arbeiten gehen, wir blieben und machten uns dran das Doppelbett zu montieren. Es war gar nicht leicht, denn jedes Mal wenn wir es endlich geschafft hatten fast alle Lattenroste einzufügen, kam der letzte Lattenrost. Kaum war der reingeschoben, flog alls zu Boden. Das ganze wiederholten wir, weil es so lustig war, 4-5 Mal. Es fühlte sich an wie Mikado. Wir lachten viel und versuchten es immer wieder bis ich bemerkte dass es schon 22 Uhr war und wir noch lange nicht fertig waren. Wir beschlossen am nächsten Tag erneut zu kommen und das Bett fertig zu montieren. Die Kinder könnten in der Zwischenzeit auf den Matratzen schlafen. 

Während wir unsere Pläne schmiedeten, huschten die Rasoul Kinder aus dem Haus, ohne dass einer von uns etwas bemerkt hätte und kamen zurück mit Döner Kebabs für uns alle. 

Somit sassen wir uns alle auf den Boden und genossen die wohlverdienten Döner gemeinsam. 

Und anbei noch ein paar Bilder des Doppelbett Wahnsinns :)