Mir ging der Mangel an kulturellen Angeboten für Flüchtlinge einfach nicht aus dem Kopf. Dank meiner Eltern und meiner Geburtsstadt, hatte das Privileg umringt von Kunst und Kultur aufzuwachsen. Dies formte mich als Mensch, mein Verständnis für die Welt und ihre Bewohner, ihrer Religionen und Philosophien.
Die Rasoul´s hatten zwar nun endlich ein Zuhause, doch selbst wenn sich dies als schwierig erwiesen hatte, so war es doch schwieriger Wien zu ihrer neuen Heimat zu machen. Und genau aus diesem Grund ist ein Zugang zu Kultur und Kunst so entscheidend. Zuerst wird gelernt, dann wird geliebt.
In Wien ist zum Beispiel ein Besuch der Wiener Staatsoper unabkömmlich und somit enstchied ich dem Presse Büro des Hauses eine Email zu schreiben. Ich erklärte meine Position als Guardian der Rasoul´s und vermerkte dass, meiner Meinung nach, Zugang zu Kunst und Kultur bei einer positiven Integration unterstützend wirken würden. Abschliessend fragte ich ob die Wiener Staatsoper die Rasoul´s einladen würde.
Ich erhielt alsbald eine Email in welcher ich darüber informiert wurde dass mein Anliegen mit dem Direktor, Dominique Meyer, besprochen und ich danach erneut kontaktiert werden würde. Ich hielt beide Daumen fest gedrückt.
Ich schickte auch eine Email an das Konzerthaus. Leider erhielt ich einen Monat lang keine Rückmeldung woraufhin ich mich erneut am 25. Jänner meldete. Auf diese Email wurde sofort geantwortet und mir wurde geschrieben dass mein Anliegen weiter geleitet werden würde.
Mein Freund Mo war wieder in Wien zu Besuch und an diesem wunderbaren Tag, hatten wir beschlossen die Rasoul´s in die neue Wohnung zu bringen wo ich am Vorabend ein Bettsofa geliefert hatte. Jetzt brauchten sie nur noch Betten, Pölster, Bettwäsche, Tisch, Stühle, Geschirr...- alles BIS AUF ein Bettsofa. :)
Ich verbrachte den Tag damit online nach gratis Möbeln zu suchen. Ich fand ein tolles Stockbett, welches platzsparend und ideal für die Burschen war. Allerdings kostete es 60 Euro. Es gab kaum gratis Stockbetten. Diejenigen die ich fand, kamen im Superpack mit 99 Problemen. Somit beschloss ich die 60 Euro für das Doppelbett zu zahlen. Mo und Tony erklärten sich bereit das Doppelbett abzuholen. Mo´s Brude stellte sein Fahrzeug zur Verfügung. Da ich der Arbeit war, war es mir nicht möglich Mo das Geld im vorhinein zu geben. Mo legte es gerne aus, nahm es danach jedoch von mir nicht an.
Ich huschte nach der Arbeit zum Saturn und kaufte einen Staubsauger und einen Wasserkocher bevor ich Agnes traf, die auch ihre Hilfe an dem Tag angeboten hatte.
Wir zwei fuhren mit dem Auto zu Eva und Stephans Wohnung und holten die Matratzen und ein paar persönliche Sachen der Rasoul´s ab. Wir würden uns alle bei den Rasoul´s wiederfinden.
Die Zeit verging wie im Flug und Agnes fuhr recht schnell richtung Mariahilferstrasse sodass wir es 10 Minuten vor Ladenschluss zum Bettenreiter schafften um Bettwäsche, eine extra Decke, Leintücher und eine Battematte zu kaufen. Die 200 Euro der ersten Spende machten all diese Einkäufe möglich: der Einkauf bei Bettenreiter, die Transportkosten für das Bettsofa, der Staubsauger und der Wasserkocher. 200 Euro können sehr viel sein, wenn man weiss wo man es ausgibt und Helfer Freunde hat, wie ich sie habe.
Tony, Mo, Agnes und ich trafen uns bei den Rasoul´s. Mo musste noch arbeiten gehen, wir blieben und machten uns dran das Doppelbett zu montieren. Es war gar nicht leicht, denn jedes Mal wenn wir es endlich geschafft hatten fast alle Lattenroste einzufügen, kam der letzte Lattenrost. Kaum war der reingeschoben, flog alls zu Boden. Das ganze wiederholten wir, weil es so lustig war, 4-5 Mal. Es fühlte sich an wie Mikado. Wir lachten viel und versuchten es immer wieder bis ich bemerkte dass es schon 22 Uhr war und wir noch lange nicht fertig waren. Wir beschlossen am nächsten Tag erneut zu kommen und das Bett fertig zu montieren. Die Kinder könnten in der Zwischenzeit auf den Matratzen schlafen.
Während wir unsere Pläne schmiedeten, huschten die Rasoul Kinder aus dem Haus, ohne dass einer von uns etwas bemerkt hätte und kamen zurück mit Döner Kebabs für uns alle.
Somit sassen wir uns alle auf den Boden und genossen die wohlverdienten Döner gemeinsam.
Und anbei noch ein paar Bilder des Doppelbett Wahnsinns :)


No comments:
Post a Comment