Wednesday, March 30, 2016

1 Monat 5 Tage - Oh das Internet - 18.Dezember

Wir waren alle ziemlich müde von den letzten zwei Tagen die von Veränderungen, Besorgungen, Schleppen und viel harter Arbeit geprägt waren. Doch wir waren überglücklich dass die Rasoul´s nicht nur in ihre erste Wohnung eingezogen waren, sondern dass wir es auch geschafft hatten sie mit den aller wichtigsten Einrichtungsgegenständen auszustatten. Das einzig notwendige was jetzt fehlte, war Internet - ein wichtiges Hilfsmittel welches Flüchtlingen unter anderem hilft selbstständig zu werden. 

Ich hatte online verschiedene Angebote abgeklappert, hatte Freunde und Tony um Rat gefragt, bevor ich gemeinsam mit Shamse zum T-Mobile Shop ging. 

Alles schien wunderbar leicht voran zu gehen. Erstmals. Der Angestellte von T-Mobile war hilfreich und freundlich und ich erklärte ihm gleich vorab die Situation in der sich Shamse befand. Wir entschieden uns für den Anfang für die günstigste Variante. Ich bat Shamse um ihren Meldezettel. Sie hatte ihn leider nicht dabei und obwohl ich eine Kopie zuhause hatte, hatte ich diese auch nicht bei mir. 

Ich rief Tony an und bat ihn Shamse´s Meldezettel Kopie vorbei zu bringen. Ein paar Minuten später, war er auch schon da und es stand uns Nichts mehr im Weg. 

Während der Herr der uns bediente den Vertrag vorbereitete, nutzte ich Google Translate um Shamse ein Internet Schutz Paket wegen der Kinder ans Herz zu legen.Google translate liess mich allerdings in Stich. Ich versuchte es erneut mit einer vereinfachten Form - vergebungslos. Ich vereinfachte es immer wieder bis ich schlicht und einfach "Porno" übersetzen liess. Shamse lass von meinem Bildschirm. Ihr Mund blieb offen und sie sagte :"Nein,nein,nein". Wir lachten viel. Sie hatte das Wort zwar verstanden, allerdings war der Zusammenhang zwischen ihrem Vertrag und Porno noch nicht klar. Ich erreichte Mo, meinen guten Übersetzer Freund in Jordanien. Wie schon mehrmals erwähnt, ist Mo auch ursprünglich aus Syrien, allerdings in Wien aufgewachsen.  Als ich ihn bat das Internet Schutz Paket Shamse zu erklären, das es dazu dient die Kinder vor Porno Seiten und dergleichen zu schützen, war es ihm auch schon etwas unangenehm mit Shamse darüber zu sprechen weil er ihr einen Respekt entgegen bringt. Er versprach mir es ihr klar zu machen, allerdings in seinen eigenen Worten.  Ich gab mein Smartphone an Shamse weiter. Shamse sprach zu Mo auf Arabisch. Sie lachte etwas, lief kurz rot an, sah mich an und übergab mir den Hörer. Ich fragte Mo ob nun alles klar war und er antwortete dass Shamse alles einwandfrei verstanden hatte. Dass er das Wort "Porno" mit dem Ausdruck "schlechte Websiten" ersetzt hatte. Shamse hatte es verstanden. Es stand ihr im Gesicht geschrieben. :) 

Das Blatt wendete sich kurz darauf. Der Angestellte von T-Mobile hatte den Vetrag ausgedruckt und verlangte nun nach Shamses Arbeitsvertrag oder Lohnzettel. Ich dachte ich falle aus allen Wolken. Ich erklärte dem Herren was ich ganz am Anfang schon erklärt hatte, dass Shamse zwar einen positiven Asybescheid hat, allerdings noch keine Arbeit. 

Mittlerweile hatten wir satte 40 Minuten im Store verbracht, damit mir der Herr sagt dass unter diesen Umständen der Abschluss eines Vertrages bei T-Mobile nicht möglich ist. 

Ich holte tief Luft und bat ihn es zumindest zu versuchen. Shamse bekam schliesslich monatlich die Mindestsicherung ausbezahlt. Es war eine Art Einkommen. Nachdem ich auf ihn einredete, rief er dann doch das Headquarter an, doch die sagten nur "Nein." Ich verlangte sofort jemanden im Headquarter zu sprechen aber auch das ging nicht, denn es war gegen die Richtlinien. 

Ich war am explodieren. Jetzt hatten wir fast eine Stunde verschwendet und ich sollte auch noch mit leeren Händen gehen? Das war absolut keine Option. Es gibt immer einen Weg. Also redete ich weiter auf den Angestellten ein, bat ihn nachzudenken und mir irgendeine Option vorzuschlagen. Und dann, endlich, schlug er vor den Vertrag auf meinen Namen abzuschliessen und im nachhinein dann einfach die Kontodaten auf Shamses Konto zu ändern. Ich stimmte zu und hatte endlich die Internet Box in den Händen.

Ich hatte in der Zwischenzeit erneut eine Spende erhalten, diesmal von Klausi und Juthi, mit der ich all die Anfangsgebühren und zwei Monate Internet decken konnte. Ich versuchte Shamse via Google Translate zu erklären dass ich bis Februar die Kosten mit der Spende decken würde und ab Februar ihre Kontodaten angeben würde. 

Shamse war unglaublich glücklich und bedankte sich tausend Mal. Sie schien auch beschämt. Dieser Vertragsprozess war anstrengend, doch was sie glaub ich mehr beschämte, ist dass ich gerade einen Vertrag für sie, laufend auf meinem Namen, unterzeichnet hatte.

Ich bin mir sicher dass die Zeiten sich ändern werden und dass all diese Prozesse einfacher werden, da sich jede Firma an die Völkerwanderungen und ihrer Folgen anpassen muss. Ich hoffe nur dass es früher als später geschieht. Das Feedback, selbständige Denken und Engagement eines jeden Angestellten der Tag aus, Tag ein, mit Kunden -  Flüchtlinge oder nicht -  zu tun hat, ist ein wichtiger Schritt in Richtung Wandel. Sie berichten und sie werden erhört.

 

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