Es war ein riesen Schritt für die Rasoul´s endlich die Schlüssel zu ihrer eigenen Wohnung in Wien zu erhalten. Bis auf einen Küchenschrank mit 2 Herdplatten und einer abwasch, war die Wohnung nicht eingerichtet. Also machte ich eine Liste der wichtigsten Dinge die sie benötigen würden und ich beachtete dabei dass sie zu fünft in einer Einzimmer Wohnung leben würden.
Da die Rasoul´s ab sofort Miete zahlten, war mein Ziel sie so schnell wie möglich einzurichten. Shamse wusste dass ich versuchte Spenden für die Familie aufzutreiben und jetzt wo ich sie brauchte, kam auch schon die erste Spende in der Höhe von 200 Euro.
Ich suchte hauptsächlich Gratis Möbel, war aber auch bereit etwas zu zahlen wenn die Qualität passte. Ja, ich ging sehr vorsichtig mit dem Geld um. In Anbetracht der finanziellen Situation der Rasoul´s, wollte ich vermeiden dass sie auch nur einen Cent zahlen und versuchte somit aus den 200 Euros das meiste zu machen.
Ich recherchierte auf Willhaben - einer Website die auch Inserate in der Sparte "Gratis" hat. Gratis Möbel tauchten immer wieder auf, man musste nur sehr schnell zugreifen. Ich erfuhr leider erst viel später dass es mehrere Facebook Seiten gibt die privat organisiert sind und wo man sich austauschen kann sowie auch um Hilfe bitten kann. Beispiele sind "start now" und "happy.thankyou.moreplease." Ich konnte sie während meiner Google Suche leider nicht finden und hörte von Freunden und Bekannten davon.
Auf Willhaben fand ich ein gratis Bettsofa in sehr guter Zustand und schickte dem Herrn sofort eine Nachricht. Er war dabei umzuziehen und das Bettsofa musste am selben Tag noch raus. Da ich leider keinerlei Erfahrungen habe wie man einen LKW fährt, konnte ich mir auch keinen mieten. Tony war unterwegs und erledigte ein paar meiner To-Do´s für meine Filmpremiere am nächsten Tag und somit konnte er mir hierbei leider nicht helfen. Ich rief die Firma Veloce an, welche Zustelldienste für Möbel gerne übernimmt. Ich hielt Rücksprache mit Shamse ob es ihr Recht wäre wenn wir für das Gratis Bettsofa den Zustelldienst per Spenden bezahlen und sie war einverstanden. Ich machte mir einen Termin mit Veloce aus: 16 Uhr im 5.ten Bezirk.
Nach der Arbeit, rannte ich in den 5ten Bezirk. Veloce war leider zu spät, die Fahrer wurden durch den Stau aufgehalten, was ein Problem war da ich Shamse auch gebeten hatte ab 16:30 zuhause zu sein.
Der Herr der das Bettsofa zur Verfügung stellte, lebte in einem Altbau. Vierter Stock, ohne Lift. Das Sofa war zweimal so gross wie ich und wog wahrscheinlich fünfmal soviel. Da Veloce pro Stunde bezahlt wird, rief ich an und erklärte dass ich nicht für die verspätete Zeit aufkommen würde. Den Namen der Person mit der ich sprach, merkte ich mir natürlich. Für Veloce kein Problem.
Da ich allerdings nicht mehr als für eine Stunde zahlen wollte, fragte ich den Herrn der mir das Bettsofa gab, ob er mir wohl helfen könnte es schon mal runter zu tragen. Ja ich war knauserig, schliesslich ging es hier um das Geld der Rasoul´s.
Der Herr war freundlich genug mir zu helfen. Ich muss ihm die ganze Aktion anrechnen da er am schweren Ende des Sofas war - das Ende das zuerst runtergetragen wird. Mein Job war es das "leichtere" Ende zu stützen und dennoch war es eine heidenarbeit für uns beide. Vier Stockwerke runter ohne Lift.
Es wunderte mich nicht dass die Veloce Mitarbeiter genau dann ankamen als wir das Erdgeschoss erreichten. Sie verstauten alles in den LKW, ich verabschiedete mich von allen und nahm die Strassenbahn Richtung Shamse wo ich die Veloce Mitarbeiter treffen würde.
Ich hätte meine Mutter treffen sollen und da Veloce´s Verspätung meine Verspätung zur Folge hatte, rief ich sie an und schlug vor sie bei den Rasoul´s zu treffen. Ich wollte Shamse kontaktieren und ihr Bescheid geben dass meine Mutter auch kommen würde. Google Translate dauerte gerade zu lang und da ich glaubte jemanden in der Strassenbahn Arabisch sprechen zu hören, fragte ich das Pärchen neben mir ob sie mir den Gefallen tun könnten mit Shamse zu telefonieren. Sie lachten und ich wählte. Shamse wurde über den Besuch meiner Mutter informiert und auch darüber dass ich in Kürze gemeinsam mit Veloce ankommen würde.
Meine Mutter war schon vor Ort. Veloce ebenso. Das Bettsofa wurde hinauf transportiert und ich bezahlte die Herrn die 35 Euro. Die Herren verliessen die Wohnung und mir fiel auf dass Shamse innerhalb 24 Stunden schon die ganze Wohnung gereinigt hatte.
Was für eine Pracht! Das erste Möbelstück war da! Ich werde für immer die zufriedenen, glücklichen, lächelnden Gesichter von Shamse und Abdelaziz in meinem Herzen tragen und ich war auch überglücklich.
Meine Mutter und ich verabschiedeten uns. Die Rasoul´s kehrten zu Eva und Stephan zurück und meine Mutter und ich gingen noch gemeinsam auf ein Glässchen Wein. Während wir da sassen, erklärte sie mir wie wichtig die Hilfe, die ich den Rasoul´s bat, ist. Meine Eltern sind keine Flüchtlinge. Mein Vater war ein Expat der nach Wien zog um hier zu studieren. Meine Mutter lernte in Iran kennen als er sein Visum verlängerte. Er sah sie und wusste - sie ist es. Der Iran-Irak Krieg hatte kein Ende in Sicht und meine Eltern beschlossen gemeinsam nach Wien zu ziehen. Beratung, etwas Hilfe und ein Gesellschaftsleben hätte ihnen geholfen sich schneller zurecht zu finden, sich schneller zu integrieren und Wien nicht nur als Zuhause zu sehen sondern auch als Heimat.
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