Es war ein eisiger, sonniger Winter Morgen und mein Treffen mit den Eltern, Shamse und Abdelaziz, war für 07 Uhr vor der Caritas Zweigstelle im 9ten Bezirk angesetzt. Mohammad, "Mo", mein Übersetzer Freund, hatte vorgeschlagen die Rasoul´s von der Pfarre abzuholen. Leider verschlief er. Wie konnte ich ihm böse sein? Dieser wunderbare Mensch tauchte aus dem Nichts in meinem Leben aus und obwohl er seinen Urlaub in Wien verbrachte, unterstützte er uns jeden Tag. Ich bestellte ein Taxi für die Rasoul´s.
Während ich auf die Rasoul´s und Mo wartete, sah ich mich um. Ich war das zum ersten Mal hier in der Früh und obwohl das Office erst um 08 Uhr öffnete, hatte sich schon eine aussergewöhnlich lange Schlange bis zum Ende der Strasse gebildet. Ich sah hunderte Flüchtlinge, eingepackt in Schichten von Kleidung, Frauen und Männer, Kinder, manche sogar am Boden sitzend, warten. Manche schienen gut gelaunt und anderen stand alles im Gesicht geschrieben. Ich fand heraus dass es sogar Flüchtlinge gab die vor der Caritas Tür geschlafen hatten um mit Sicherheit eine Nummer zum Eintritt zu erlangen.
Shamse, Abdelaziz und Mo trafen ein. Um 08 Uhr kamen ein paar Caritas Mitarbeiter raus auf die Strasse. Viele sprachen Arabisch. Sie gingen mit jeder Person die in der Schlange wartete die nötigen Dokumente durch. Diejenigen denen Dokumente fehlte, mussten an einem anderen Tag erscheinen. Shamse hatte ALLE ihre Dokumente mit. Alle Dokumente von jedem ihrer Familienmitglieder. Auch unsere Dokumente wurden kontrolliert und wir erhielten eine Nummer.
Wir betraten das Caritas Büro und sassen nahmen in dem Warteraum Platz. Mitten in der Menschenmasse trafen meine Augen auf einen hellhäutigen Mann, wahrscheinlich um die 50 Jahre alt, fein gekleidet und mit einem gepflegten Bart. Er sass mit einer Flüchtlingsfamilie die er dem Anschein nach auch begleitete. Wir lächelten uns zu. Es war herrlich einen weiteren Guardian anzutreffen und die Gewissheit zu haben, dass in diesem Lächeln ein gegenseitiges Verständnis für die Flüchtlinge die wir begleiteten sowie auch ein Verständnis für einander inbegriffen war.
Unsere Nummer wurde aufgerufen. Ich konnte nicht allzu lange bleiben da ich in die Arbeit musste. Ich stellte mich der zukünftigen Beraterin der Rasoul´s vor und wir tauschen Informationen aus. Sie informierte mich darüber dass sie die Anträge für die Grundversorgung stellen würde, Versicherung ebenso. Ich liess ihr eine Kopie der Generalvollmacht und meine Kontaktinformation. Email Adressen tauschten wir auch aus. Telefonisch war sie schwer erreichbar. Das gesamte Team arbeitete non stop und an das Telefon zu gehen war fast unmöglich. Obwohl es bei der Caritas auch Übersetzer gab, blieb Mo mit den Rasoul´s und informierte mich nach dem Termin über die Einzelheiten. Eine Wohnung bekamen sie vor Ort naürlich nicht.
Ich begann in meiner Verzweiflung schon Hotels anzuschreiben mit der Idee die Rasoul´s vielleicht um einen Diskont Preis einen Monat unterzubringen. Ich musste mir eingestehen dass die nun meine letzte Ressource war. Ich hatte Wohnungen am Markt kontaktiert, etliche Pfarren, mein Netzwerk hatte mich an Privatpersonen weitergeleitet, ich hatte NGO´s angefragt und öffentliche Einrichtunge, Online Communities und mehr. Nichts hatte sich ergeben.
Es war gegen Mittag, 24 Stunden bevor ich die Rasoul´s aus der Pfarre hätte abholen sollen, als ich fantastische Neuigkeiten erhielt: Eva und Stephan kontaktierten mich und hatten sich entschieden die Rasoul´s bei sich zuhause aufzunehmen, ihnen ein Zimmer zu bieten für ein ganzes Monat. Es war die erste und einzige Option bisweilen und es gab nur eine andere Option: ins Stadion oder eines der Lager. Mein Herz war erleichtert.
Eva und Stephan hatte ich nur ein paar Mal getroffen und dennoch vertrauten sie mir die für die Rasoul´s bürgte und ich vertraute ihnen mit dem Wohlbefinden der Familie. Ich kontaktierte Shamse per Whatsapp und nutzte wieder einmal Google translate Deutsch-Englisch um ihr die wunderbaren Neuigkeiten zu übermitteln. Shamse und Abdelaziz wollte niemandem zur Last fallen, denn es war ein Unterschied ob man zu zweit in einer Wohnung ist oder zu siebent. Eva schickte mir Fotos von der Wohnung und Fotos von sich und ihrem Partner. Sie schickte mir Infos über ihre Berufe und Arbeitszeiten. Das junge Paar hatte keine Kinder und auch keine Haustiere. Ich schrieb hin und her mit Shamse und dem Anschein nach ging sehr viel beim Übersetzen verloren. Ich schrieb ihr unter anderem dass die Mutter Maria kommen würde. Ich habe keine Ahnung wie das passieren konnte und wusste nichts davon bis ich Mo anrief und ihn bat mit der Familie zu sprechen da ich Schwierigkeiten hatte sie zu überzeugen mit Eva und Stephan zu wohnen. Mo sah sich meine Nachrichten an und nachdem er mir erzählte was ich da eigentlich geschrieben hatte, wunderte es mich nicht dass es schwierig war die Familie zu überzeugen. Wir lachten viel. Mo gab mir auch den Tip Google translate Englisch-Arabisch zu verwenden da es fast fehlerfrei war. Jetzt wo die Missverständnisse geklärt waren, hatte ich fast keine Probleme die Familie zu überzeugen da die Lager/ Stadion Option wirklich nicht zu empfehlen war. Abgesehen von dem Mangel an Privatsphäre, würden sie dort auch keinen Meldezettel erhalten und somit könnten die Kinder nicht die Schule besuchen. Es war gegen 13 Uhr als ich per Whatsapp das OK von Shamse erhielt.
Ich kontaktierte sofort die Petra Wasserbauer von der Pfarre und sagte ihr dass ich die Rasoul´s am Nachmittag abholen könnte aufgrund meine Arbeitszeiten. Mo würde mit dem Auto kommen und sie in die Wohnung von Eva und Stephan fahren. Da ich mit Eva die Matratzen Situation besprochen hatte, wusste ich dass 4 Matratzen fehlten und bat Petra ob ich vier mitnehmen durfte. Nicht nur dass mir vier Matratzen zugesagt wurden, wir bekamen auch Pölster, Decken und Bettwäsche und man bat mir an die Dienste des Fahrers in Anspruch zu nehmen welcher unterwegs sei für die Pfarre die den Schlafplatz für Flüchtlinge Freitag auflösen würde. Ich war unglaublich dankbar und schloss Eva und Petra zusammen sodass sie die Lieferung der Matratzen noch am für den selben Abend organisieren konnten.
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