Mo, meine rechte Hand, Freund und Übersetzer, flog zurück nach Jordanien. Sein Urlaub in Wien war wirklich kein Urlaub da er mich jeden Tag mit Fahrten, Übersetzen und Logistik unterstützte. Wir vermissten ihn alle.
Es war Samstag und ich hatte einen Besuch ins Naturhistorische Museum geplant. Jamil, ein Freund von mir der auch aus Syrien stammt und Ali, einer seiner Freunde der übersetzen konnte, bat an die irakische Familie abzuholen und ich holte die Rasoul´s ab. Helz und Mohamad waren andersweitig unterwegs und kamen leider nicht mit. Shamse, Abdelaziz und Diar waren startbereit. Ich hatte das Wiener Ubahn Netz ausgedruckt sowie fünf selbstgemachte Mini-ID´s mit der Adresse ihres temporären Zuhauses bei Eva und Stephan, alle unsere Handy Nummern sowie Notruf Nummern. Ich bat sie die Mini-ID´s jederzeit bei sich zu haben für den Notfall. Meine grösste Befürchtung war dass einer verloren geht und das versuchte ich zu vermeiden.
Wir trafen uns alle vor dem Volkstheater um 14:30 Uhr. Beide Familien die gemeinsam eine Woche lang in der Pfarre gewohnt hatten, waren glücklich einander wiederzusehen. Wir waren eine recht grosse Gruppe von neun Personen.
Als wir im Museum ankamen, fragte ich ob es eine Art Rabatt für Flüchtlinge gab doch die gab es nicht. Jamil und ich luden alle ein. Obwohl Kinder keinen Eintritt zahlen, kam der Endbetrag auf 75 Euro. Ich war baff und mir war klar dass ich kulturellen Institutionen schreiben musste da kein Flüchtling 15 Euro Eintritt fürs Museum entbehren konnte und kulturelle Aktivitäten extrem wichtig für eine positive Integration sind.
Wir vebrachten ein paar Stunden im Museum. Ich zeigte ihnen alle Tiere die man in Österreich verspeist vom Schwein, zum Reh bis hin zum Oktopus und vielem mehr und schaute gespannt als sie mir wiederum Tiere zeigten die man in Syrien verspeist. Wir erkundeten Tiere die in Iran und Syrien zu finden waren und es machte Spass nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Die Kinder waren irrsinnig begeistert und liefen im Museum herum. Beide Familien waren neugierig und erkundeten alles mit grossem Interesse. Die Architektur alleine war schon beeindruckend, das ganze Erlebnis im Museum unbezahlbar.
Nach unserem Besuch, gingen wir hinaus und machten Fotos. Jamil und Ali mussten in die Arbeit. Ich war mir unsicher wie ich diese Situation nun handhaben könnte, schliesslich lebten nun beide Familien an gegenüberliegenden Seiten von Wien. Ich war mir sicher dass sich auch dafür eine Lösung finden würde. Im Notfall, könnte ich immer eine Familie per Taxi nachhause schicken und die andere mit der Ubahn nachhause begleiten. Die Familien non stop mit einem Fahrzeug zu fahren, war keine ideale Lösung da ich sie ermutigen wollte zu lernen die Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen sodass sie mehr selbstständig werden konnten.
Wir flanierten durch den Weihnachtsmarkt vor dem Museum, sahen uns die Markstände an und die Handarbeiten und genossen die Weihnachtsstimmung. Shamse und Abdelaziz überraschten mich mit einem Geschenk. Obwohl ich ihnen sagte dass ich keinerlei Geschenke annehme, beharrten sie darauf. Die Intensität mit welcher ein Mensch der aus der Nahost-Kultur kommt, bestehen kann, ist etwas dem man wirklich nicht wiederstehen möchte. Ich nahm es an da ich befürchtete sie zu beleidigen und das wollte ich partout nicht. Sie hatten mir vom Weihnachtsmarkt eine wunderschöne Kerze erworben. Wann und wie blieb mir ein Rätsel.
Wir verliessen den Weihnachtsmarkt und gingen Richtung Volkstheater zur UBahn. Die Irakis konnten sich auch auf Englisch verständigen und Husseyn, der Vater, versicherte mir dass sie die UBahn nehmen könnten. Ich bat ihn mich zu kontaktieren sobald sie zuhause ankamen und gab ihm einen UBahn Netzwerk Plan. Wir kauften Fahrscheine und verabschiedeten uns voneinander. Ich setzte die Rasoul´s zuhause ab und Husseyn schrieb mir dass sie auch gut angekommen sein.
Wir hatten einen wunderbaren Samstag miteinander verbracht und ich plante schon den nächsten Ausflug.

No comments:
Post a Comment